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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Ziele formulieren, Pläne schmieden – Grundvokabular der Zukunftsgestaltung

Theophil Weick


A. Darstellung des Ansatzes

Doch wie sagte schon Bert Brecht in dem Lied von der Unzulänglichkeit Menschlichen Strebens aus der Dreigroschenoper:

 

" Ja, mach nur einen Plan

Sei nur ein großes Licht!

Und mach dann noch 'nen zweiten Plan

Gehn tun sie beide nicht."

 

Was Brecht hier – gekonnt beiläufig – in Versform auf den Punkt bringt, beschreibt exakt die Dilemmata unserer heutigen Zeit:

 

  • Die planmäßige Befassung mit Zukunft ist gerade vor dem Postulat der Nachhaltigkeit unerlässlich.
  • Gleichzeitig setzt dies vollständige Information sowie explizite Zielformulierung voraus – wobei beides nicht gegeben ist.
  • Zudem konkretisiert sich Zielformulierung und Informationsgewinnung über Problem­erschließung in einem iterativen Prozess; Bedingungen für die Planverwirklichung können erst im Handeln selbst geschaffen werden.
  • Während die Notwendigkeit und der Bedarf an Steuerung der gesellschaftlichen Entwicklung zunimmt, ist sie zunehmend schwieriger zu beeinflussen.

 

Für die Gestaltung des gesellschaftlichen Steuerungs- und Planungssystems bedeutet dies, sich nicht mehr nur auf räumlich-flächenhafte Festlegungen zu beschränken, sondern regionalentwicklungspolitische Handlungsansätze zu kreieren, die nicht Entwicklungsinhalte (im Sinne raumbezogener Zielsetzungen) festschreiben, sondern Gestaltungsprozesse organisieren und den Einsatz der Instrumente bestimmen. Denn Entwicklungsinhalte werden erst im wirklichen Prozess der Entwicklung erzeugt. Versuche, diese Inhalte planmäßig vorzubestimmen, führen in der Regel zur Verfestigung einmal gegebener Strukturen, bei Ausschluss von Strukturwandel und qualitativer Veränderung.

Standen also in der Vergangenheit die inhaltlich–materiellen Festsetzungen gesamt­räumlicher Planung im Bedeutungsvordergrund, so werden dies in Zukunft die prozessualen (Raum) und proceduralen (Planung) Aspekte sein. So wird zum einen verstärkt Raum als Prozess begriffen werden müssen, als sich ständig verändernder räumlicher Niederschlag von sich wandelnden Nutzungs- und Bedürfnisstrukturen als Ausfluss gesellschaftlich-historischer Entwicklungen: Der Raum als Ergebnis und Folge gesellschaftlicher Aushandlungs-und Kommunikations­prozesse über Nutzungen und deren Verteilung. Zum anderen wird der – oft nur verbal präsenten - Erkenntnis, dass Planung ein Prozess sei, materiell Rechnung zu tragen sein: Der Raum als Objekt und gleichzeitig Rahmenbedingung von Planung als Prozess.

Die Implementierung des Nachhaltigkeitsprinzips als Grundlage zur Erhaltung der Bedingungen für die Möglichkeit zukünftigen Handelns wird somit zum konstitutiven Element von Planung.

So formuliert denn auch der Raumordnungspolitische Handlungsrahmen als Beschluss der Ministerkonferenz für Raumordnung am 8. März 1995: “Hat sich Landes­planung/Regionalplanung bisher auf die Aufstellung mittel- und langfristiger Pläne konzentriert, so gewinnt die Erarbeitung und konkrete Umsetzung von Leitbildern und Entwicklungs­konzeptionen an Bedeutung. Raumordnung, Landesplanung und Regionalplanung sind heute gefordert, durch Projekte und Aktionen ihren Beitrag zur Kooperation und Moderation komplexer räumlicher Entwicklungen zu leisten und positive Anstöße für die Weiterentwicklung der Raum- und Siedlungsstruktur zu geben.“

Die Elemente eines solch ausgestalteten Planungssystems sind:

 

  • der Regionalplan
  • das Regionale Entwicklungskonzept (REK)
  • die Regionalen Leitprojekte
  • das Regionale Leitbild
  • sowie das Regionalmanagement

 

Entscheidende Bedeutung kommt dem Regionalmanagement zu. Regional-management lässt sich als Prozess beschreiben, verschiedene individuelle und institutionelle Akteure mit jeweils unterschiedlichen, aber zusammenhängenden ökonomischen, sozialen, kulturellen und technischen Problemen auf einen gemeinsamen Lösungsweg zu verpflichten – bspw. über Regional-, Fach- und/oder Projektkonferenzen. Das Regionalmanagement zeichnet also verantwortlich für die Erarbeitung des Leitbildes, die Bestimmung der Handlungsfelder, die Identifikation von Projekten, die Gestaltung der Entwicklungsprogramme, die inhaltliche Ausgestaltung der Pläne sowie für den Aufbau von Kooperationsstrukturen über die Installierung eines Kommunikationsnetzwerkes.

 

Folgende Elemente des zu installierenden Netzwerkes sind von zentraler Bedeutung:

 

  • ein Lenkungsausschuß zur Erstellung des REK als legitimierte Entscheidungs­ebene
  • die Programm- bzw. Projektarbeitskreise zur Projektentwicklung und Mittel­akquisition als Arbeitsebene
  • eine Koordinationsinstanz als Geschäftsführungsebene
  • ein projektbezogener aufzubauender Beratungs- und Untertützungspool aus regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und sonstigen Trägern öffentlicher Belange

Der Lenkungsausschuß beauftragt die Programm- bzw. Projektarbeitskreise mit der Projektentwicklung und Mittelakquisition und bestimmt die Weiterentwicklung des REK.

Die Programm- bzw. Projektarbeitskreise nehmen diese Aufgaben wahr. Ihre Zusammensetzung orientiert sich an den jeweiligen Programm bzw. Projekten und kann aus internen und externen VerwaltungsmitarbeiterInnen bestehen. Darüber hinaus können die Programm-/Projektarbeitskreise zur Lösung besonders komplexer und schwieriger Aufgaben mit entsprechend qualifiizierten Personen über Zeitarbeitsverträge (oder ähnlichen Regelungen) unterstützt werden. Über solche vertraglichen Gestaltungen befindet der eigentliche Projektträger in Abstimmung mit dem Lenkungssausschuß.

Eine Besonderheit stellt der projektbezogen aufzubauende Beratungs- und Unterstützungspool dar. Denn im Gegensatz zur bisherigen Praxis, in der oftmals voluminöse Foren, Beiräte, Runde Tische oder Regionalkonferenzen gebildet wurden - mit meist bescheidenen Ergebnissen -, wird hier - wie auch bei der REK-Erstellung selbst - die Projektorientierung zur Handlungsmaxime:

Je nach Projekthemen, -ausrichtung und -verknüpfung und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit der Einbeziehung von regionalen Akteuren - insbesondere aus der Wirtschaft (Stichwort PPP) - wird Beratungs- und Unterstützungsleistung eingeworben. Über das erfolgreiche Einwerben solcher Beratungs- und Unterstützungsleistungen entwickelt sich im Laufe der Zeit dann der Pool.

Der “Charme” dieser Vorgehensweise liegt auch darin, dass gerade regionale Akteure aus der Wirtschaft leichter zur Mitarbeit gewonnen werden können, da nicht abstrakte Diskussionen in großen Gremien befürchtet werden müssen, sondern ein klarer Projektbezug vorhanden ist.

 

 


 

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