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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Die Rolle des Bodens...   Donnerstag, 6.5.   Freitag, 7.5.   Samstag, 8.5.   Vortragstexte

Joachim Albrech-Stuckmeyer - Moderation und Ergebnisprotokoll

ERGEBNISBERICHT ARBEITSGRUPPE II: RAUMORDNUNGS- UND STADTENTWICKLUNGSPOLITIK - GARANTEN FÜR SORGSAMEN UMGANG MIT BODEN?

7. Mai 1999


In dieser Arbeitsgruppe wurde aus kommunaler, regionaler und nationaler Sichtweise von den Podiumsteilnehmern die Möglichkeiten und Potentiale einer Umsetzung einer Nachhaltigen Raumentwicklung in den drei Nachbarländern dargestellt (Vgl. die Beiträge im Tagungsreader der 3. Gaytaler Gespräche). Dabei stellte sich heraus, das die grundlegenden Problembereiche für eine nachhaltige Raumentwicklung in allen drei Teilregionen sehr ähnlich gelagert sind und die Raumplanung mit verhältnismäßig geringen Kompetenzen ausgestattet ist. In diesem Papier werden die Diskussionsergebnisse der Arbeitsgruppe kurz zusammenfassend dargestellt.

Bei der Diskussion spielten die folgenden räumlichen Zielvorstellungen als Ordnungsprinzipien zur Schaffung einer nachhaltigen Raumstruktur eine zentrale Rolle, weshalb sie zur Strukturierung des Berichts dienen.

  • Dezentrale Konzentration
  • Dichte
  • Funktionsmischung


1. Dezentrale Konzentration

Durch die Zielsetzung einer "dezentralen Konzentration" kann eine polyzentrische Verteilung der Zentren durch die Schaffung von Kristallisationspunkten gefördert werden, die den Überlastungstendenzen in Agglomerationsräumen (Entlastungsfunktion) entgegenwirkt und Entwicklungschancen in ländlichen Regionen (Entwicklungsfunktion) nutzen kann.

Dabei wird die immer noch weitverbreitete Dichotomie zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen zugunsten einer integrativen Sichtweise und der Zielsetzung ausgeglichener Funktionsräume ersetzt, so daß alle Daseinsfunktionen (Wohnen, Arbeiten, Ver- und Entsorgung sowie Freizeit) auch im ländlichen Raum prinzipiell erfüllt sein sollen.

In diesem Zusammenhang ist auch die Regionalplanung für viele Kommunen von Bedeutung, da sie eine zunehmend wichtigere Koordinationsfunktion einnimmt, die sich für eine ausgeglichenere räumliche Struktur einsetzt. Weiterhin kann sie die teilweise ruinöse Konkurrenzsituation zwischen den Kommunen eindämmen und zur Erzielung von Synergieeffekten durch Kooperation, Spezialisierung und Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen beitragen. Dies würde auch der sehr angespannten finanziellen Ausgangslage vieler Kommunen Rechnung tragen und verstärkt Anreize zu einer gemeinsamen Erbringung und Nutzung von Infrastrukturmaßnahmen setzen. Dazu ist aber auch eine frühzeitige Beteiligung der Kommunen an regionalen Planungsprozessen erforderlich. Nachteilig wirkt sich diesbezüglich das meist starre Steuersystem aus, das sich beispielsweise im Gewerbesteuerbereich kontraproduktiv für interkommunale Zusammenarbeit auswirken kann.


2. Dichte

Beim Ordnungsprinzip "Dichte" bzw. "Verdichtung" handelt es sich um die optimale Ausschöpfung und Erweiterung von Nutzungspotentialen im noch zu bebauenden bzw. bereits bebauten Bereich. Dazu gehört insbesondere eine kompaktere Bauweise, wodurch ein ständiges Ausufern der Besiedlung verhindert werden kann und der zunehmend hohe Flächenverbrauch mit seiner Vielzahl an negativen Folgewirkungen für Lebensqualität, Volkswirtschaft und Umwelt reduziert werden kann.

Ein wichtiges Instrument der Kommunen ist in diesem Zusammenhang die Bauleitplanung, da die Baulandausweisung und die Vorgaben für die spätere Nutzung der Flächen maßgeblich zu einer verdichteten Bauweise sowie zu einer ausreichenden Mischung der Funktionen beitragen können. Hierdurch können auch kommunale Folgekosten für Straßenbau, ausreichende Auslastung von ÖPNV-Angeboten oder sonstigen kommunalen Ver- oder Entsorgungseinrichtungen verringert werden.

Entgegengesetzt zum verdichteten Bauen spielt das immer noch vorherrschende Leitbild vom "alleinstehenden Einfamilienhaus im Grünen" eine wichtige Rolle. Diese Vorstellungen, die immer noch bei einer größeren Zahl der Menschen vorherrscht, kollidiert eindeutig mit dem Prinzip der Dichte. Daraus resultiert weiterhin auch nur eine verhältnismäßig geringe Akzeptanz, wenn der Nachfrage nach Bauland von kommunaler Seite nicht entsprochen wird und mit Abwanderungen insbesondere junger Familien gerechnet werden muß. Die Kommunen sollten sich in diesem Fall auf eine gemeinsame regionalen Strategie einigen und für eine ausreichende Sensibilisierung des Problems sorgen, um diesem Druck gemeinsam standhalten zu können.

Ein zweites Problem stellen Grundstückspekulationen privater Investoren dar, wodurch die Gestaltungsspielräume der Kommunen eingeschränkt werden können. Aus diesem Grund hat es sich positiv ausgewirkt, wenn Städte sich die Grundstücke aneignen konnten und aufgrund privatrechtlicher Verträge die Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie die Vielfalt der Siedlungsstruktur mit den späteren Nutznießern mitgestalten konnten. Nach einer umweltorientierten Erschließung der Baugebiete und der Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplanes wurden die Grundstücke möglichst kostengünstig an die entsprechenden Zielgruppen veräußert.


3. Funktionsmischung

Unter "Funktionsmischung" wird die "geplante, kleinräumige Mischung einer Vielfalt miteinander kompatibler Nutzungen, deren räumliche Zuordnung von einer Vielzahl an Interessenten" (Kanatschnig, Weber 1998) bestimmt sein muß, verstanden. Das heißt umgekehrt, daß Entmischung, also die Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Erholung, Versorgung und Bildung den Zielsetzungen einer nachhaltigen Raumentwicklung tendenziell zuwiderläuft.

Dadurch ergeben sich meist negative Folgewirkungen, wodurch oftmals zusätzliche Verkehrssströme verursacht werden und es insbesondere abends in den Innenstädten zu Verödungstendenzen kommen kann. Dies wiederum hat in den vergangenen Jahrzehnten soziale Segregation und damit verbundene Brennpunkte begünstigt und nicht berufstätige Menschen zunehmend isoliert. In den ländlich geprägten Gebieten kam es dagegen zu Abwanderungstendenzen insbesondere jüngerer Bevölkerungsgruppen und die Grundversorgung ist in weiten Teilen nicht mehr gewährleistet. Es kommt zu einer Überalterung der verbleibenden Bewohner, die sich langfristig weiter nachteilig für den ländlichen Raum auswirken.

Nutzungsmischung schafft die Grundlage für eine verkehrsarme Lebensweise, die sich in der Verminderung der Verkehrsströme ausdrückt. Sie kann zur Lösung des Problems wachsender räumlich-funktionaler Arbeitsteilung beitragen, denn wenn beispielsweise Erzeugung, Verarbeitung und Verkauf von Produkten wieder stärker räumlich integriert werden, so lassen sich nicht nur Energieverbrauch und Transportbedarf reduzieren, sondern gleichzeitig strukturpolitisch positive Impulse für eine Region setzen. Dies setzt allerdings wirtschafts- und berufsstrukturelle Veränderungen voraus, die eine Integration von Betrieben in die Nähe der Wohnquartiere ermöglicht. Bei Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich erscheint dies weitestgehend unproblematisch, während es des öfteren an ausreichender Akzeptanz von Gewerbe- und Landwirtschaftsbetrieben in Dörfern mangelt. Dieses Phänomen scheint besonders stark in der Nähe von Zentren ausgeprägt zu sein.

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