Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Die Rolle des Bodens...   Donnerstag, 6.5.   Freitag, 7.5.   Samstag, 8.5.   Vortragstexte

Jens Thös - Moderation und Ergebnisprotokoll

ERGEBNISBERICHT ARBEITSGRUPPE 1: AGRARISCHE BODENNUTZUNG - AGENDA 2000: SEGEN ODER FLUCH?

7. Mai 1999


1. Vorträge

1.1 Frau Beste - Stiftung Ökologischer Landbau / Bad Dürkheim
"Bodennutzung im biologischen Landbau"

Gefährdungsfaktoren im Zuge der agrarischen Bodennutzung:

  1. Bodenverdichtung infolge steigender Bodenbelastung,
  2. Erosion durch großflächige Monokulturen mit mangelhafter Bodenbedeckung,
  3. Sinkendes Wasserhaltevermögen der Böden durch Strukturschäden und Humusmangel (Steigerung der Hochwassergefahr),
  4. Reduzierung des Boden auf reines Substrat, das mittels mineralischer und chemischer Hilfsstoffe in Richtung einer Ertragsoptimierung bewirtschaftet wird.

Positive Wirkungen des biologischen Landbaues auf agrarisch genutzte Böden:

  1. Förderung einer hohen biologischen Bodenaktivität durch angepasste Düngung (weitgehend organisch), weite Fruchtfolgen, biologisch verträglichen Pflanzenschutz und schonende Bodenbearbeitung. Nur Böden mit aktiver Struktur können die notwendigen Filter-, Nährstoff- und Trägerfunktionen voll erfüllen.
  2. Die Düngung fördert einerseits die natürliche Nährstoffbildungsfähigkeit derBöden und bringt andererseits durch einen hohen Anteil an Grünbrachen (v.a. Leguminosen) und gezielte Gabe organischer Düngemittel die notwendigen Nährstoffe in die landwirtschaftlichen Nutzflächen ein.
  3. Die Fruchtfolgen orientieren sich idealerweise an einer Drittelung der Acker- fläche in Getreide-, Hackfrucht- und Gründüngungsflächen. Ergänzt durch Zwischenfruchtbau und ggf. Untersaaten wird ein stabiles Nutzungssystem mit nahezu ganzjähriger Bodenbedeckung angestrebt. In Verbindung mit einer angepassten Bodenbearbeitung wird durch eine gleichmäßige Durchwurzelung des Bodens ein effektiver Erosionsschutz erreicht. Gare Böden mit stabiler Krümelstruktur sind die Folge.
  4. Oberster Grundsatz der Bodenbearbeitung ist die Befahrung nur trockener Böden zur Vermeidung von Bodenverdichtungen. Nach wie vor kann auf den Pflug zur Verminderung des Unkrautbesatzes und zur Herstellung eines garen Saatbettes auf vielen Standorten nicht verzichtet werden. Dennoch sind weiterhin intensive Versuche mit Verfahren, die die Bodenstruktur nicht jährlich auf den Kopf stellen im Gange (Direktsaat, reduzierte Bodenbearbeitung).

Fazit:

Mit dem biologischen Landbau existiert ein eingeführtes und erprobtes Bodennutzungskonzept, das eine agrarische Landnutzung mit maximaler Schonung der Böden verbindet.


1.2 Herr Origer - Umweltministerium Luxemburg
"AGENDA 2000 und NATURA 2000"

AGENDA 2000:

  1. Zielsetzung der AGENDA 2000 ist einerseits die Verbesserung der Globalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft und andererseits die Verbesserung der Umweltwirkungen der europäischen Landwirtschaft.
  2. Neben den beiden Hauptzielsetzungen steht die Entwicklung des ländlichen Raumes in all seinen Facetten und die Neuordnung der Agrarum-weltmaßnahmen im Vordergrund. Umfang und Bedeutung der Agrarumweltmaßnahmen wird erhöht.
  3. Durch die Regelungen der AGENDA 2000 sollen die bisher sehr starken Anreize für eine Intensivierung der Produktion vermindert werden und die Honorierung der landschaftsrelevanten Leistungen der Landwirtschaft harmonisiert werden.
  4. Zur Sicherung von Gebieten mit hoher ökologischer Bedeutung werden diese in Bezug auf die Förderung den benachteiligten Gebieten gleichgestellt.

NATURA 2000:

  1. Im Zentrum von des NATURA 2000 - Programmes steht der Aufbau eines Netzes von Schutzgebieten, die einem Verschlechterungsverbot unterliegen.
  2. Die zur Ausweisung innerhalb von NATURA 2000 vorzuschlagenden Flä-chen sind mit den jeweiligen Bodennutzern abzustimmen. Für diese Flä-chen sind bei Eingriffen zukünftig Verträglichkeitsprüfungen, eine Alterati-venprüfung und Augleichsmaßnahmen zwingend durchzuführen. Zudem ist das besondere öffentliche Interesse des Eingriffes nachzuweisen.
  3. Anhand von Leitarten wurden in ganz Europa Gebiete ausgewiesen, um dieses Netz von Schutzgebieten aufzubauen. Die Anteile dieser Gebiete an der Gesamtfläche sind in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU sehr unterschiedlich und schwanken zwischen 3 und 20 %.
  4. Die Kosten für Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes auf diesen Flächen betragen beispielsweise in Luxemburg 7 Mio. DM pro Jahr (35.000 ha mit einem durchschnittlichen Kostzenaufwand von ca. 200 DM /ha).


2. Ergebnisse der Arbeitsgruppe 1 - "Agrarische Bodennutzung"

  1. Die nunmehr vorliegenden Beschlüsse zur Umsetzung der AGENDA 2000 in der Landwirtschaft bringen keine wesentlichen ökologischen Fortschritte. Nach wie vor sind die wesentlichen Einkommensübertragungen an die Landwirtschaft nicht an konkrete ökologische Leistungen gebunden. Die Umsetzung der AGENDA 2000 ist vor allem auf die Ordnung der europäischen Agrarmärkte bezogen.
  2. Der biologische Landbau kann in weiten Teilen als Leitbild der schonenden und nachhaltigen Bodennutzung angesehen werden, das ergänzt wird durch einen angemessenen Anteil an naturnahen Flächen.
    Der biologische Landbau mit höherem Arbeits- und Kostenaufwand kann nur zu einem umsetzbaren Modell für nennenswerte Teile der europäischen Landwirtschaft werden, wenn es gelingt, in erheblichem Umfang höhere Verbraucherpreise zu erzielen. Die erscheint wenn überhaupt nur in einem langen Prozess möglich zu sein.
  3. Im Zuge der Verbesserung von Rahmenbedingungen in Richtung auf eine schonende und nachhaltige Bodennutzung sollten wesentliche Teile der Einkommensübertragungen an die Landwirtschaft an die Einhaltung von Mindeststandards gebunden werden. Diese neu zu definierenden Stan-dards müssen sich oberhalb der "guten fachlichen Praxis" bewegen und deutlich klarer definiert sein.

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz