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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Die Rolle des Bodens...   Donnerstag, 6.5.   Freitag, 7.5.   Samstag, 8.5.   Vortragstexte

Prof. Dr. Harald Spehl

BODENNUTZUNG IM SPANNUNGSFELD PRIVATER UND ÖFFENTLICHER ANSPRÜCHE

6. Mai 1999


Die Existenz der Menschheit ist vom Boden abhängig. Die Zahl der Menschen hat inzwischen auf über 6 Milliarden zugenommen und die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft haben dazu geführt, daß der Boden einerseits immer mehr Erträge für die menschlichen Bedürfnisse erbringt, andererseits die Gefahr besteht, daß die Funktionsfähigkeit des Bodens in vielen Teilen der Welt verlorenzugehen droht und irreparabel geschädigt wird.

Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung wird daher im Hinblick auf den Boden besonders deutlich. Seine Nutzung muß wirklich so erfolgen, daß die Bedürfnisse der heutigen Menschen befriedigt werden können, ohne daß zukünftigen Generationen die Fähigkeit genommen wird, ihre Bedürfnisse ebenfalls zu befriedigen. Konkret heißt dies, daß vier Punkte zu behandeln sind:

  • das Ausmaß der Bodennutzung
  • die Art der Bodennutzung
  • die Verteilung der Bodennutzung
  • die Entwicklung der Bedürfnisse.

Dazu sollen an Beispielen aus den Ländern Belgien, Deutschland und Luxemburg Aussagen gemacht werden, wobei der Schwerpunkt auf Deutschland und Rheinland-Pfalz gelegt wird.

Lt. EUROSTAT hat Belgien eine Fläche von 31.000 qkm und eine Bevölkerung von rd. 10,1 Mio, daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 330 Einwohner/qkm, Deutschland hat eine Fläche von 357.000 qkm mit einer Bevölkerung von rd. 81,8 Mio, d.h. 230 Einwohner/qkm, Rheinland-Pfalz hat eine Fläche von 19.800 qkm, rd. 4 Mio Einwohner, d.h. rd. 200 Einwohner/qkm und Luxemburg hat eine Fläche von 2.250 qkm mit rd. 413.000 Einwohner, d.h. 160 Einwohner/qkm.

Geht man davon aus, daß der Boden ein Geschenk an die Menschheit ist und allen Menschen in gleicher Weise gehört, so könnte man einen rechnerischen Anteil jedes Menschen an der Bodenfläche der Welt errechnen. Nehmen wir als Anhaltspunkt die territoriale Gliederung der genannten Länder, so ergeben sich für deren Einwohner die folgenden rechnerischen Anteile am Boden:

  • in Luxemburg rd. 6.170 qm pro Einwohner
  • in Rheinland-Pfalz rd. 4.950 qm pro Einwohner
  • in Deutschland rd. 4.360 qm pro Einwohner
  • in Belgien rd. 3.070 qm pro Einwohner.

Es mag für die Arbeitskreise eine interessante Ausgangsposition sein zu fragen, welche Folge eine solche gleichmäßige Verteilung des Bodens auf die Bewohner der jeweiligen Territorien hätte. Wir haben in unseren Gesellschaften die Eigentumszuordnung anders gelöst. Es gibt privates und staatliches Eigentum an Boden und dieses Eigentum wird durch Rechtsvorgänge wie Kauf, Schenkung und Erbschaft weitergegeben; in genau spezifizierten Fällen kann die Gesellschaft Boden für entsprechende Zwecke auch enteignen. In der Arbeitsgruppe 4 wird es um die Frage gehen, ob es alternative Konzepte gibt, die Nutzungsrechte am Boden zu vergeben und den Ertrag zu verteilen und ob solche Änderungen bessere Ergebnisse erwarten lassen als die heutigen Regelungen.

Die Bodennutzung weist typische Strukturen auf. Nach wie vor dominiert bei den Flächenanteilen die Landwirtschaftsfläche und die Waldfläche. In Deutschland entfallen auf diese beiden Nutzungsarten über 80 % der Bodenfläche, davon 54,1 % auf Landwirtschaftsfläche und 29,4 % auf Waldfläche. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche hat inzwischen einen Anteil von 11,8 % erreicht. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge hat die Siedlungsfläche in Deutschland von 1960-1990 durchschnittlich um 8.200 qm pro 1 Mio DM Wirtschaftswachstum zugenommen. Würde man davon ausgehen, daß diese Relation konstant ist und ein Wachstum von durchschnittlich 3 % in den Folgejahren erreicht wird, wäre rechnerisch in 81 Jahren die gesamte Fläche Deutschlands Siedlungs- und Verkehrsfläche.

Damit sind die Themen der anderen Arbeitsgruppen angesprochen. Wird die agrarische Nutzung bei den gegebenen Rahmenbedingungen eine gesunde Ernährung der Menschen und die Funktionsfähigkeit des Bodens zugleich sichern können? (Arbeitsgruppe 1) Werden Raumordnung, Landesplanung und Stadtentwicklungsplanung mit dem gegebenen Instrumentarium die Inanspruchnahme von Flächen für Wohnsiedlung, Industrie, Gewerbe und Verkehr begrenzen können und dies insbesondere bei einer sehr unterschiedlichen räumlichen Verteilung dieser Aktivitäten? (Arbeitsgruppe 2) Schließlich stellt sich die Frage, ob Bodeninformationssystem und Bodenschutzgesetzgebung Instrumente sind, um Interessen der Gesellschaft gegen die Ansprüche und Interessen von Einzelnen zu sichern oder ob es sich um Instrumente handelt, mit denen notwendige Entwicklungen verhindert werden. (Arbeitsgruppe 3)

Der Boden hat vielfältige Funktionen: Produktion von Nahrungsmitteln, Fläche für vielfältige menschliche Bedürfnisse, Ort für Produktionstätigkeiten unterschiedlichster Art und Lagerstätte für Bodenschätze und Abfälle. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Regelungen für Entscheidungen über den Vorrang von einzelnen Bodennutzungen und die Zuordnungen von Individuen und Gruppen zu solchen Bodennutzungen, sind daher umfänglich und kompliziert. Die Leitfrage der Arbeitskreise könnte sein, ob diese Regelungen in den jeweils untersuchten Bereichen Schritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung ermöglichen oder ob dazu moderate, eventuell sogar grundlegende Veränderungen erforderlich sind, und wie sich solche Veränderungen durchsetzen lassen.

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