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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Die Rolle des Bodens...   Donnerstag, 6.5.   Freitag, 7.5.   Samstag, 8.5.   Vortragstexte

Prof. Dr. Ellen Kandeler

DIE BEDEUTUNG VON BODENORGANISMEN IN TERRESTRISCHEN ÖKOSYSTEMEN

6. Mai 1999


Im Boden leben eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Organismen. Bodentiere (Protozoen, Nematoden, Mollusken, Anneliden, Arthropoden) sind hauptsächlich für die Zerkleinerung von Streu, für die Durchmischung des Bodens und den Transport von Sporen verantwortlich. Bodenmikroorganismen tragen zur Humusbildung des Bodens bei, mineralisieren zahlreiche organische Verbindungen und stabilisieren die Bodenstruktur. Bei der Neubesiedlung von Flächen kann man dabei eine charakteristische Abfolge von mikrobiellen und tierischen Lebensgemeinschaften beobachten. Sie besitzen neben den abiotischen Faktoren, wie Klima, Topographie, Ausgangsmaterial und Zeit, eine große Bedeutung für die Bodenentwicklung.

Der Mensch nutzt die Böden seit vielen Jahrtausenden als Produktionsgrundlage für Nahrungs- und Futtermittel, als Lagerstätte für Energiequellen und als Fläche für Siedlungen. Diesen sozioökonomischen Funktionen stehen ökologische Funktionen des Bodens gegenüber. Der Boden soll seine Funktion als Filter, Puffer, Speicher und Bioreaktor zum Umsatz von Streu-, Abfall- und Schadstoffen langfristig erhalten. Der Lebensraum für Bodenorganismen und Pflanzen soll geschützt werden.

Diese ökologischen Bodenfunktion ist durch die Nutzung der Menschen gefährdet. Beispiele dafür sind umfassend. Anhand zahlreicher und langjähriger Feldversuche wurde der Einfluß landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmaßnahmen (organische und anorganische Düngung, Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Pflanzenschutz) auf die Nachhaltigkeit der Bodennutzung bereits ausreichend erfaßt. Bodenbiologische Untersuchungen liefern dabei Informationen über die Tiefe der Bodenbearbeitung bzw. über die optimale Düngehöhe. In den letzten Jahren wurde in einigen Länder mit der Zustandserhebung von landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzten Böden begonnen. In Österreich wurde für diese Untersuchungen ein Raster von 4 x 4 km2 gewählt. Bodenchemische und bodenmikrobiologische Untersuchungs-ergebnisse wurden in Karten dargestellt und mögliche Belastungen der einzelnen Regionen ermittelt. Zusätzlich zu Bodenzustandsinventuren kann die langfristige Entwicklung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Böden auf Bodendauer-beobachtungsflächen beobachtet und frühzeitig korrigiert werden. Aus diesen Versuchen weiß man u.a., daß sich die Änderung der Bodenbewirtschaftung bereits innerhalb von wenigen Monaten bis Jahren auf die Lebensgemeinschaft der Bodenorganismen auswirken kann.

In den letzten Jahren wurden vermehrt bodenbiologische Methoden eingesetzt, um die Toxizität von anorganischen und organischen Substanzen in Böden abzuschätzen. Während sehr viele organische Schadstoffe durch Bodenmikro-organismen abgebaut werden können, führt die Belastung der Böden mit anorganischen Schadstoffen (z.B. Schwermetalle) zu einer Akkumulation, die meist nur durch sehr aufwendige technische Verfahren wieder behoben werden können.

Aufgabe der Forschung und der Politik wird es in der Zukunft sein, ökologische, sozioökonomische und immaterielle Funktionen des Boden (z.B. Erlebnis- und Erholungswert des Bodens) sorgfältig aufeinander abzustimmen.

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