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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Weder Mangel noch Übermaß

Über Suffizienz und gutes Leben

Vortrag auf der Tagung „Nachhaltiger Konsum. Wege zur gesellschaftlichen Verankerung“ am 6. Juni 2005 in Trier

Einführung

Auf einem Cartoon von Tomaschoff sitzen zwei alte Männer neben einander auf einer Bank. Der eine sinniert, auf seinen Stock gestützt: „Je mehr die Lebenserwartung zunimmt, desto weniger erwarte ich vom Leben.“ Auch das ist Suffizienz; nur nicht die, um die es heute gehen soll. Ich bin sicher, ich kann bei Ihnen auf höhere Erwartungen an das Leben rechnen, und es ist gewiss nicht meine Absicht sie zu schmälern.

Der Untertitel dieser Vorlesung „Suffizienz und gutes Leben“ verbindet zwei Begriffe, die die meisten Menschen in einer Spannung zueinander sehen, oder gar in einem Gegensatz. Ich möchte zeigen, dass das unbegründet ist, dass beide Deutungen vielmehr zusammen gehören, und dies aus einem doppelten Grund: aus Notwendigkeit aber auch als Ergebnis eigener Wahl.

Ein kurzer Vorausblick auf das, was folgt: Vier Teile. Der erste Abschnitt bedenkt die drei Wegen zur Nachhaltigkeit und dabei vor allem die Suffizienz; der zweite fragt, was denn Menschen bewegen kann, in einschneidende Veränderungen einzuwilligen; der dritte handelt von den Akteuren der Suffizienz in der Wirtschaft, in der Politik und in der Zivilgesellschaft, also unter den aktiven Bürgerinnen und Bürgern; der vierte schließlich spricht von den Mühen und den Chancen eines neuen Verständnisses von gutem Leben.

I. Effizienz – Konsistenz – Suffizienz

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Tagung werde ich nicht ausführlich zu begründen haben, warum die Menschheit lernen muss, nachhaltig zu leben und zu wirtschaften. Die beiden Gründe sind: Ohne Nachhaltigkeit zerstören wir die Tragfähigkeit der ökologischen Systeme, von denen wir abhängen. Und: Ohne Nachhaltigkeit werden wir keinen Ausgleich erreichen in der Nutzung der begrenzten Ressourcen der Erde, und ohne diesen Ausgleich zwischen Habenden und Habenichtsen wird kein friedensfähiges Zusammenleben auf dieser Erde möglich sein. Nachhaltigkeit wiederum bedeutet, dass wir die ererbte Natur-Substanz nicht verzehren sondern erhalten. Dazu gehört, dass wir nicht mehr von den erneuerbaren Ressourcen verbrauchen als sich regenieren können, dass wir die Erde nicht mit mehr Stoffen belasten als sie aufnehmen kann, und dass alle Menschen Zugang zu den für sie lebenswichtigen Ressourcen erhalten. Diese Nachhaltigkeit, oder, wie wir im Wuppertal Institut gern sagen, Zukunftsfähigkeit, lässt sich auf drei Wegen suchen: mit Effizienz, mit Suffizienz und mit Konsistenz.

Sie lassen sich in Kurzform so kennzeichnen:

  • Effizienz richtet sich auf die ergiebigere Nutzung von Materie und Energie, also auf eine höhere Ressourcenproduktivität.
  • Suffizienz richtet sich auf einen geringeren Verbrauch von Ressourcen durch eine verringerte Nachfrage nach Gütern.
  • Konsistenz richtet sich auf naturverträgliche Technologien, die die Ökosysteme nutzen ohne sie zu zerstören.

Uns wird heute vor allem die Suffizienz beschäftigen. Aber sie gehört in den Zusammenhang dieser Dreiheit, die man auch eine Dreieinigkeit nennen kann, weil keiner dieser Wege ohne die beiden andern zum Ziele führt. Darum zunächst eine etwas ausführlichere Charakterisierung dieser drei Elemente.

Effizienz (zu deutsch Wirksamkeit, auch Wirtschaftlichkeit) folgt dem Prinzip „Mehr aus weniger“. Ökologische Effizienz strebt nach einem geringeren Einsatz von Stoffen und Energie pro Ware oder Dienstleistung und damit nach einem geringeren Naturverbrauch. Das geschieht durch verbesserte Technik und Organisation, also durch Einsparung, Wiederverwendung, Abfallvermeidung, den Einsatz regenerierbarer Energie usw. All dieses ist in unser Bewusstsein inzwischen ziemlich fest eingesenkt, umso mehr, als eine solche Einstellung ja allem unternehmerischen Denken nahe ist: Was ich an Material und Energie einspare, mindert meine Kosten. Aber das ist gleichzeitig die Achillesferse der Effizienz. Effizienz, auch Öko-Effizienz, kann einen unerwünschten Nebeneffekt haben: Weil der Kostenanteil der Ressourcen am Produkt geringer wird, führt oder verführt sie leicht zum Mehrverbrauch, zumal die Einsparung ja das gute Gewissen verleiht, mehr zu produzieren und mehr zu verbrauchen, weil das einzelne Produkt ja die Umwelt weniger belastet. Effizienz hat darum auf dem Weg zur Nachhaltigkeit ein großes Anfangspotential; sobald aber der Anstieg der Gütermenge und des Energieverbrauchs die Einsparungen übersteigt, kommt sie an ihre Grenzen. Und dieser Anstieg ist in unserer Welt unausweichlich, so lange die Weltwirtschaft auf die bisherige Weise immer weiter wächst. Und das tut sie gegenwärtig aus zwei Gründen: Die Entwicklungsländer holen auf und orientieren sich dabei an uns, den Industrieländern, als ihren Vorbildern, und die Weltbevölkerung wächst noch einige Jahrzehnte weiter, wenigstens auf 8 bis 9 Milliarden Menschen, selbst den moderaten Vorhersagen zufolge. Eine effiziente Nutzung der Ressourcen ist also äußerst wichtig, aber allein überhaupt nicht ausreichend für Nachhaltigkeit.

Konsistenz in der Bedeutung Übereinstimmung, Einklang richtet sich auf die Vereinbarkeit von Natur und Technik. Konsistenz-Strategien versprechen eine neue industrielle Revolution, die – so sagen ihre Bannerträger – zu einer dauerhaften Nachhaltigkeit menschlichen Lebens und Wirtschaftens führen könne. Die am besten bekannte Konsistenz-Strategie sind die Solartechnologien, von den Solarpanelen über die Photovoltaik bis hin zur solaren Wasserstofferzeugung. Und es wird wenig Abfälle geben. In intelligenten Systemen werden die Überreste der einen Produktion zum Ausgangsmaterial der nächsten.

Konsistenz-Strategien erfreuen sich großer Zustimmung. Sie versprechen ja eine fast schmerzfreie Lösung der ökologischen Probleme und lassen sich mit dem Erhalt oder gar mit einer Steigerung des materiellen Wohlstandes verbinden. So jedenfalls ist die Erwartung. Mit ihnen ließen sich heute erkennbaren Beschädigungen der Natur überwinden – ohne Einschränkungen oder Einbußen. Damit werden die Konsistenzstrategien zu den Hoffnungsträgern einer verunsicherten Industriegesellschaft. Schädliche Emissionen finden ihr Ende, Abfälle werden zu Rohstoffen, Produktion und Konsum geschehen im Einklang mit der Natur – und am Horizont erscheint der Wohlstand für alle Menschen.

Konsistenz-Strategien sind in der Tat ein unverzichtbarer Teil einer zukunftsfähigen Entwicklung. Eine weiter anwachsende Weltbevölkerung wird, um überleben zu können, naturverträgliche Technologien benötigen. Solar-erzeugter Wasserstoff, um ein Beispiel zu nennen, kann eine Energieversorgung ohne Schädigung der Atmosphäre ermöglichen. Ähnlich hilfreich wird die Bionik sein, eine am Vorbild der Natur orientierte und sie nachahmende Technik (von der Keramik der Tigerzähne über die Werkstoffeigenschaften der Perlmuttschalen bis zur Schmutz abweisenden Oberfläche der Lotuspflanze).

Freilich: Vieles, vor allem das Wichtigste bei den Konsistenz-Strategien ist Zukunftsmusik. Sie sind erst zum kleinen Teil verwirklicht. Zum weit größeren Teil stehen sie in Aussicht oder werden erhofft. Darum stellt Konsistenz einen Wechsel auf zukünftiges Gelingen aus ohne Gewähr, ob, wie weit und zu welchen Bedingungen er einlösbar ist. Für die dringenden Probleme der nächsten Jahrzehnte können diese Strategien nur einen bescheidenen Beitrag leisten.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund zum Nachdenken darüber, wie hilfreich die Konsistenz-Strategien sein werden. Sie stützen sich auf Wissenschaft, Technik und – auf Kapital, da es sich vor allem um großtechnische Verfahren handeln wird. Und genau diese drei sind die Antriebskräfte, die die moderne Industriekultur zustande gebracht haben, und die mit ihren Erfolgen zusammen soviel zur gegenwärtigen Gefährdung des ökologischen Gleichgewichtes beigetragen haben, und eben soviel zur Ungleichheit auf der Erde. Und nun sollen wieder Wissenschaft, Technik und Kapital diese gefährdete Menschheit retten. Das ist eine kühne Hoffnung! Ihr Beitrag zur Zukunftsfähigkeit ist unstrittig. Wenn ihnen aber kein sie steuerndes Prinzip zur Seite gestellt wird, könnten ihre bisherigen Mängel sich leicht potenzieren. Und damit sind wir bei dem dritten Weg zur Zukunftsfähigkeit, der Suffizienz.

Suffizienz. Weil das Wort Suffizienz so schnell einen negativen Beiklang bekommt, als bezeichne sie das Karge, das Kümmerliche, das Langweilige, beginne ich mit der Wortbedeutung. Das lateinische sufficere bedeutet in seiner transitiven Fassung den Grund legen, im intransitiven Gebrauch zu Gebote stehen, hinreichen, genug sein, im Stande sein, vermögen. Nicht anders ist der Bedeutungshof der englischen Wörter sufficient, sufficiency. Auch hier ist das gemeint, was die Erwartungen erfüllt, was Befriedigung schafft oder ermöglicht, was genug und was angemessen ist. Mit keiner dieser Bedeutungen kommt Suffizienz in die Nähe des Kargen, gar des Mangels.

An dieser Stelle eine kleine Seitenbemerkung. Ich weiß, dass Suffizienz als Begriff unanschaulich ist. Den Uneingeweihten sagt er nichts oder etwas Falsches. Die zutreffende Bedeutung „Das, was richtig, was angemessen, was gut ist“ muss ihm durch Interpretation beigelegt werden (vielleicht mit Ausnahme der Kardiologie, in der die gefürchtete Herz-Insuffizienz die Suffizienz leicht als den erwünschten Zustand verstehen lässt). Im Allgemeinen aber taugt Suffizienz nicht zum Leitbild. Nur: in der Fachdiskussion ist der Begriff eingeführt, und er hat den Vorzug der Kürze. Ich behalte ihn also für diesen Vortrag bei, weiß aber sehr wohl, dass er über unseren Kreis hinaus nicht Träger der Botschaft sein kann, nach einem gelingenden Leben zu suchen. Vielleicht ist Angemessenheit ein besseres Wort. Klaus Michael Meyer-Abich bemüht sich darum, Suffizienz als das dem Menschen Angemessene zu denken und möchte ihr damit noch einmal den Verzichtcharakter nehmen.

Nun also: Seit der Antike und bis heute ist Suffizienz (oder Angemessenheit) als die Frage nach dem rechten Maß bedacht worden, nach dem, was Menschen gut tut und gut bekommt. Vermutlich über dem Eingang zum Apollo-Tempel in Delphi stand jene Maxime, die allem Nachdenken über Suffizienz zugrunde liegt: Maedèn ágan: Von nichts zu viel. Uns beschäftigt vor allem der Zusammenhang dieser Weisheit mit der Ökologie, mit der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen dieser Erde, also die Öko-Suffizienz. In ihr geht es um Schritte, um Maßnahmen, um Instrumente und Strategien, mit denen Ressourcen eingespart werden können, und zwar dadurch, dass Menschen ihr Verhalten verändern und dies tun mit der Absicht, weniger Energie und Rohstoffe zu verbrauchen als bisher. Während es bei der Effizienz auf eine veränderte Technik und Organisation ankommt, geht es bei der Suffizienz um die Veränderung des menschlichen Verhaltens und damit auch um eine veränderte Beziehung zu Gütern und Dienstleistungen, und auch um ein Nachdenken über das, was Wohlstand ist, was gelingendes Leben ist, was Lebenskunst heißen kann.

Öko-Suffizienz schließt also die Frage nach dem guten Leben ein. Und das nun ist sehr situationsabhängig. Für einen großen Teil der Menschheit heute ist gutes Leben noch immer das, was für sie nicht erreichbar ist, was sie entbehren; Lebenskunst ist für sie die Fähigkeit, vom Mangel nicht erdrückt zu werden. Unsere Situation in einer Konsumgesellschaft eines Industrielandes ist eine ganz andere. Nun weiß ich wohl, wie sich die Zeiten ändern. Und doch: Für die Mehrheit in diesem Land geht es nicht darum, wie wir das zum Leben Nötige sichern, sondern wie wir das Übermaß beseitigen, und wie wir lernen das zu wählen, was uns gut tut und gut bekommt. Und was den Globus angeht: Noch immer gilt ja, dass ein Drittel der Menschheit, zu dem wir gehören, also die Industrieländer und die wachsende Konsumentenklasse in Asien und Lateinamerika, dass dieses eine Drittel zwei Drittel der Rohstoffe und der Energie in Anspruch nimmt. Die Frage heißt darum: Wie können wir so leben und wirtschaften, dass wir nicht mehr Energie und Rohstoffe in Anspruch nehmen als uns zustehen?

Anders gefragt: In einer Gesellschaft, in der das gute Leben so sehr mit einer Steigerung des materiellen Wohlstandes und Konsums verbunden wird, wie kann in der Suffizienz nicht nur als notwendig sondern als erwünscht, als lohnend erkennbar werden, nicht als von oben verordnete Haltung sondern als selbst gewählte Lebensweise? Wie kann Selbstbeschränkung nicht als Lebensminderung empfunden werden, vielmehr als gelingendes Leben erscheinen? Was können die Motive einer solchen Veränderung sein, was lässt sich aufbieten, dem Sog des Güterwohlstandes zu widerstehen? Das ist das Thema des zweiten Abschnittes.

II. Beweggründe

Bei weitem das stärkste Motiv für suffizientes Handeln ist die Erwartung eines mit ihm verbundenen Gewinnes, eines dadurch erzielten Nutzens. Zu den Basis-Erkenntnissen der Sozialwissenschaften gehört, dass Menschen in aller Regel ihr Verhalten von zwei Motiven bestimmen lassen, von dem, was ihrer Fürsorge anvertraut ist, und von dem, was sie einen Gewinn erwarten oder einen Verlust vermeiden lässt. Wer Suffizienz fördern möchte, wird darum möglichst einleuchtend begründen, was durch Selbstbegrenzung zum Leben hinzukommt, was die Lebensqualität erhöht.

Das Gewinn-Motiv selbst ist vielschichtig. Der Nutzen, der aus suffizientem Handeln zu ziehen ist, wird in sehr unterschiedlichen Bereichen entstehen. Einige von ihnen seien benannt, wobei zu beachten ist, dass manche der empfundenen Vorteile Milieu gebunden sind und darum für manche gelten, für andere aber nicht. Also:

  • Suffizienz erlaubt eine bessere Balance des Güter-, Zeit- und Raumwohlstandes. In diesen drei Kategorien lässt sich Wohlstand beschreiben. Güterwohlstand und Zeitwohlstand erklären sich selbst. Raumwohlstand bezieht sich sowohl darauf, dass ich genug Platz habe, für mich zu sein und mit andern zusammen zu sein, als auch bezieht er sich auf gute, gelingende soziale Beziehungen. Raumwohlstand betrifft also den sozialen Lebensraum, in dem ich mich bewege. Habe ich zuviel an Gütern, so mindert das leicht die Befriedigung, die in der Nutzung freier Zeit und in den Beziehungen zu Menschen liegt.
  • Weiter: Suffizienz kann ein Leben mit mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Gemeint ist der Abschied von der Nötigung, sich selbst und anderen den sozialen Status zu zeigen durch das, was ich mir leisten kann. Der Kulturwissenschaftler Xenos spricht von dem „bad conscience of modernity“. Es halte uns ständig vor, dass wir nicht haben, was wir begehren. Es treibe uns dazu, immer noch mehr zu wünschen und uns danach zu strecken, um es denen gleichzutun, an denen wir uns messen. Keep up with the Johnsons – hieß der ironische Spruch schon in meiner Studienzeit in den USA. Nun, es gibt Anzeichen dafür, dass hier ein Umdenken im Gange ist – von Erfahrung wie von Einsicht geleitet. Eine ganze Reihe von empirischen Untersuchungen hat gezeigt, dass das Glücksempfinden in den westlichen Gesellschaften oberhalb einer bestimmten Einkommensschwelle nicht mehr wächst, manchen Studien zufolge sogar zurückgeht. Die Ursache für dieses Stagnieren der Zufriedenheit wird darin gesehen, dass steigender Verdienst gleichzeitig die Stress-Faktoren des Lebens verstärkt. Es entstehen Tretmühlen, denen die Betroffenen nicht entkommen, und die ihr Leben belasten: Eine solche Tretmühle ist die eben genannte Nötigung, die erreichte soziale Position durch Konsum zu zeigen und zu behaupten, eine andere ist der innere Druck, die vielen mit dem Einkommen entstandenen Möglichkeiten auch auszuschöpfen, also genug zu erleben. So ist es kein Wunder, dass die Bücher hohe Auflagen haben, die uns empfehlen: Simplify your life! Dieser Wunsch ist freilich leichter zu formulieren als zu erfüllen. Vielleicht können wir darüber in der Diskussion weiter nachdenken. Und doch liegt in solchen Entfesselungskünsten ein Schlüssel zu Vitalität und Lebenslust.

Die ökonomische Theorie hat lange Zeit von der Unersättlichkeit der materiellen Bedürfnisse gesprochen und gibt zum Teil bis heute dieser Theorie den Rang einer unbezweifelbaren Gewissheit, als sei sie eine anthropologische Konstante der Evolution. Das trifft schon historisch nicht zu. Über lange Zeiträume haben sich die Wünsche der Menschen ihren Mitteln angeglichen. Erst in der Moderne ist die materielle Ausrichtung der Bedürfnisse so dominant geworden und hat sich dann in den Industrieländern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch einmal intensiviert. Was aber durch technologische und soziale Entwicklungen entstanden ist, kann sich auch wieder verändern. Es sind doch Wandlungen möglich, durch die der Konsum in seinem Symbolgehalt weniger wichtig wird. Stattdessen können sich die Bedürfnisse mehr auf verfügbare freie Zeit, auf soziale Beziehungen und auf Eigentätigkeit richten, so, dass die immateriellen Befriedigungen wichtiger werden als Kaufen und Vorzeigen. Um so wertvoller werden dann die öffentlichen Güter, die allen gehören: lebenswerte Städte, sichere Straßen, kommunikative Orte, Schutz vor Lärm und Schmutz, saubere Luft und gutes Wasser. All das ist suffizienzabhängig, weil es nur durch die Begrenzung der privaten Inanspruchnahme zu erreichen ist.

Gewinnhaltig sind schließlich gerade die intrinsischen Motive des Handelns. Intrinsisch (von innen) wird Handeln genannt, das nicht auf von außen kommende Reize reagiert wie Belohnungen oder Drohungen, vielmehr aus eigenem Antrieb erfolgt, aus einem inneren Wunsch, aus einem Gefühl der Zugehörigkeit heraus, das also um seiner selbst willen geschieht und darum auch seinen Sinn wie seinen Gewinn in sich selbst trägt: Ich tue etwas, weil ich es tun möchte, weil ich es für richtig, für wichtig, für gut halte, weil ich mich in ihm selbst verwirkliche. Solches selbst bestimmtes Handeln wird sich auf die Entfaltung der eigenen Anlagen richten; zu ihm gehört aber auch oder kann doch gehören, den eigenen Einsichten zu folgen in das, was notwendig ist, und auch vor anderen dafür einzutreten. So sind viele Menschen bereit, sich an Gemeinschaftsaufgaben zu beteiligen ohne persönliche Gewinnerwartung. Ihr Anreiz ist, dass mit dem gemeinsamen Handeln etwas Sinnhaftes geschieht.

Und wie ist es mit der Ethik? Auch eine innere Verpflichtung kann als Gewinn erlebt werden. Nicht auf Kosten anderer zu leben, nicht Unrecht oder Unglück passiv geschehen zu lassen, sich nicht für unzuständig zu erklären, vielmehr seinen/ihren Teil dazu beizutragen, die Natur zu schützen, Benachteiligung, Armut und die Leben zerstörende Ungleichheit in dieser Welt zu verringern – das kann ein wichtiges Motiv des Handelns werden und kann als Gewinn erlebt werden. Verantwortung, Moral, Spiritualität sind wirksame Kräfte, vor allem, wenn sie in Motiv-Koalitionen eingefügt werden. Wo Moral für sich allein Maßhalten begründen soll, ist sie in der Regel den elementaren Regungen des Nutzens und der Sorge unterlegen. Sobald die ethische Dimension jedoch mit dem wohlverstandenen Eigennutz zusammengeführt wird, entfaltet sie eine starke Bindekraft. Ich erkenne dann: Mein eigenes Wohl und das der anderen Menschen gehören zusammen. Meine Sicherheit hat etwas mit sozialer Gerechtigkeit zu tun, mein persönliches Wohl mit dem Gemeinwohl. Ich tue etwas für mich, wenn ich mich für andere einsetze.

III. Die Akteure der Suffizienz

Mit dem Folgenden liege ich vielleicht etwas quer zum Tenor Ihrer Tagung. Das ergibt dann hoffentlich eine fruchtbare Diskussion.

Die entscheidende Frage ist: Wer kann was tun? Wenn es um die Wege zur gesellschaftlichen Verankerung geht, wie der Untertitel ihrer Tagung die Aufgabe beschreibt, dann ist etwas Elementares zu bedenken: Wer Suffizienz in dieser Gesellschaft befördern möchte, wird die Möglichkeiten der Einzelnen, der privaten Haushalte und ihres Konsums nicht überschätzen und darum auch nicht überfordern. Unter den Anwälten der Nachhaltigkeit und in ihr gerade der Suffizienz gibt es eine Neigung, vor allem die einzelnen Personen anzusprechen und von ihrem Verhalten den Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu erwarten. Damit wird ihnen mehr aufgelastet, als sie tragen können. Denn dabei wird die soziale Einbettung der persönlichen Verhaltensweisen übersehen. Nur wenige Menschen treffen etwa im Konsum selbständige Entscheidungen. Die allermeisten sind in ihrem Verhalten von Herkünften und Gewohnheiten bestimmt, von sozialen und medialen Einflüssen. Es hat keinen Sinn ihnen aufzubürden, wozu die bestimmenden Kräfte der Gesellschaft nicht bereit sind. Veränderungsbemühungen, die nur beim Einzelnen ansetzen, bleiben nach einem schönen Wort von Gerhard Scherhorn anekdotisch, ja, sie können zur Abstumpfung beitragen. Zu leicht wird dann die Aufforderung sich zu verändern als eine Überforderung erlebt. Die Einzelnen erfahren ja ständig, wie abhängig sie von vorgegebenen Verhältnissen sind, wie begrenzt die faktischen Wahlmöglichkeiten und ihr finanzieller Spielraum. Und für ebenso begrenzt halten sie ihre Einwirkungsmöglichkeiten auf das politische und ökonomische Geschehen: Ich kann ja doch nichts ausrichten. Selbst wenn ich mich ändere, ändert sich nichts.

Wie sehr das Verhalten der einzelnen von den gesellschaftlichen Vorgaben abhängig ist, wird sofort klar, wenn wir fragen: Was kann man denn tun? Was sind denn wirksame Schritte zur Suffizienz? Dann stellt sich heraus: Eine ganze Dimension von Suffizienz-Schritten sind auf der Ebene des persönlichen Verhaltens gar nicht zu erreichen – und es sind vor allem die größeren und folgenreicheren. Die richten sich auf unternehmerisches Handeln, auf gesellschaftliche Übereinkünfte oder unmittelbar auf staatliche Regelungen. Ich komme darauf zurück. Mein Punkt ist: Suffizienz darf nicht auf die Einzelnen und ihren Konsum begrenzt werden. Sie ist etwas ebenso Politisches wie Ökonomisches wie Persönliches.

Zunächst zur Wirtschaft. Die Wirtschaftsunternehmen geben mit ihren Produktionsentscheidungen in einem hohen Maße vor, was Konsumenten kaufen können, was also im Konsum an Suffizienz-Orientierung möglich ist oder aber ihr zuwiderläuft. Was die Produzenten an Gütern und Dienstleistungen auf den Markt bringen, befriedigt ja keineswegs nur bestehende Bedürfnisse, es schafft Bedürfnisse, indem immer neu ressourcenintensive Waren und Dienstleistungen angeboten werden, die es vorher nicht gab, die aber nun, seit es sie gibt, als ein Erfordernis empfunden werden und als Anspruch geltend gemacht werden. Beispiele sind Stand-by-Funktionen, Billigflüge, Air Conditioning, aber auch die Tendenzen zur Kommerzialisierung der Erlebniswelt, etwa des Outfits im Sport.

Wie können Produkt-Entscheidungen zu Stande kommen, die Suffizienz fördern? Sicher auch dadurch, dass Käufer bestimmte Waren nicht mehr kaufen und andere suchen, und dass sie, um dem Nachdruck zu geben, sich zu gemeinsamem Handeln zusammen schließen; vor allem aber dadurch, dass sich in der Wirtschaft selbst eine fundamentale Einsicht durchsetzt: Sie lautet: Ein Streben nach maximaler Rendite ohne Rücksicht auf die ökologischen und sozialen Kosten schädigt die längerfristigen Interessen der Unternehmen, weil dieses Streben die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt und damit auch der Wirtschaft die Basis entzieht. Es sind ja ganz andere Wettbewerbsvorteile denkbar als der höchst mögliche Quartalsabschluss: etwa die größere Zukunftsfähigkeit der Produkte, das Vermeiden von Imageschäden, die Identifizierung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit den ökologischen und sozialen Zielen des Unternehmens und damit ihre höhere Loyalität und Einsatzbereitschaft, das gesellschaftliche Ansehen der Firma, die Anhänglichkeit von Kunden usw. Auch wenn das Wort Suffizienz bisher keinen Platz in der Bestimmung von Unternehmenszielen hat, kann die mit ihr gemeinte Sache einleuchten, indem Naturverträglichkeit und Sozialverträglichkeit als Wege zu einem längerfristigen Nutzen und auch Gewinn erkennbar werden. Allerdings: Wie von den einzelnen Bürgern und Verbrauchern nicht erwartet werden kann, was die Gesellschaft als ganze zu leisten hat, so darf nicht den einzelnen Unternehmen auferlegt werden, was die Wirtschaft als ganze erbringen muss. Eine solche Einsicht führt unmittelbar zu den Aufgaben der politischen Institutionen.

Was sind die Aufgaben einer auf Suffizienz gerichtete Politik? Sie muss Anreize geben und Grenzen setzen. Ich will einige Beispiele nennen: Zu den staatlichen Maßnahmen, die Suffizienz ermöglichen bzw. verbindlich machen, gehören Steuern (etwa eine neu durchdachte Öko-Steuer einschließlich der Kerosin-Belastung, eine höhere Steuerprogression, beides, um Gemeinschaftsaufgaben finanzieren zu können), die richtigen Subventionen (etwa für erneuerbare Energien und den Öffentlichen Verkehr), das Ordnungsrecht (etwa für Geschwindigkeitsbegrenzung), das Planungsrecht (etwa im Baurecht die Verpflichtung zur Wärmedämmung oder zu Solaranlagen, in der Raumplanung Siedlungsstrukturen, die Flächen sparsam nutzen, ein verdichteter und durchmischter Städtebau), finanzielle Anreize (etwa die Begünstigung von Autos, die in der technischen Leistung begrenzt sind) usw.

Freilich: Die Wirtschaft wie der Staat haben selten genug einen einheitlichen Willen. Alle Eingriffe in Wirtschaft und Leben stoßen auf starke Interessen und damit auf den Widerstand der Betroffenen. Sie werden sich gegen ihn nur durchsetzen lassen, wenn eine lebhafte Diskussion erzeugt wird, öffentlicher Druck entsteht, Parlamente und Parteien einbezogen werden, so dass schließlich eine Mehrheit der Bevölkerung für die Veränderung zu gewinnen ist oder sie sich doch gefallen lässt. Das letztere ist wichtig. Suffizientes Verhalten ist nicht nur das, was Menschen kraft Einsicht oder Gewohnheit selber tun oder unterlassen, vielmehr auch das, was sie hinnehmen als notwendig und darum für alle verbindlich. Diese Anerkenntnis dessen, was zu tun oder was zu ertragen ist, entsteht in einem komplexen Prozess aus Einsicht, dem beharrlichem Geltendmachen des Problems, der Meinungsführerschaft gesellschaftlicher Gruppen, und sie wird vorangebracht durch öffentliche Aktionen und die mediale Präsenz des Themas.

Und damit kommt nun doch wieder die Schrittmacher-Funktion von Einzelnen und von Gruppen ins Spiel. Auch Einzelne, Haushalte, NGO’s können unmittelbare Suffizienz-Schritte propagieren und selber gehen und geben dann durch ihr Verhalten Anstöße zur Orientierung der Wirtschaft und der Politik. Gerade ist ein Buch erschienen mit einem irritierenden Titel: „50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten und wie Sie dabei Geld sparen“. Bombastisch ist die Verheißung, mit drei, vier Dutzend persönlicher Schritte ließe sich die ökologische Bedrohung unserer Erde abwenden. Aber zutreffend ist, dass erwünschte Veränderungen auch von unten angetrieben werden. Zu den Schritten, die einzelne mit Sinn und Ergebnis tun können, gehören die sparsame Verwendung von Energie; eine Überprüfung des Kaufverhaltens mit der Bevorzugung von ökologischen Produkten und den Waren des fairen Handels, die Wahl von regenerativem Strom und von langlebigen Gütern; ein seltenerer Fleischverzehr; weniger Fernurlaube (und die Beteiligung an der Aktion „Klimabewußt Fliegen“);aber auch eine ethische Kapitalanlage, Investitionen in Wärme-Dämmung und Solaranlagen usw. Solches Handeln ist unentbehrlich. In pluralistischen Gesellschaften kommt wenig mit größerer Wirkung in Gang, wenn es nicht von Einzelnen, von voraus denkenden Forschungseinrichtungen und von Organisationen der Zivilgesellschaft angestoßen wird, und wenn es nicht von ihnen hartnäckig vertreten wird.

IV. Von den Mühen und den Chancen des Übergangs zu einem neuen Verständnis von gutem Leben

Wir verhandeln das Thema „Suffizienz und gutes Leben“ in einer angespannten wirtschaftlichen Situation. Sie ist gekennzeichnet durch schwindende Staatseinnahmen, eine Schwäche der sozialen Sicherungs-Systeme und eine zunehmende Ungleichheit des Wohlstandes. In dieser Situation scheint Suffizienz den Zielen fast aller gesellschaftlichen Akteure zu widersprechen. Wenn die Wirtschaftsleistung stagniert, wenn den öffentlichen Händen das Geld fehlt, wenn die Sozialleistungen gekürzt werden, wenn hohe Arbeitslosigkeit anhält, und die Altersversorgung unsicher wird, gilt das Wirtschaftswachstum als die wichtigste Gemeinschaftsaufgabe, und höherer Konsum wird geradezu zur Bürgerpflicht erklärt – fast unabhängig von dem, was gekauft oder als bezahlte Dienstleistung in Anspruch genommen wird. Die soziale Lage ist ähnlich bedrängt. Auch in den Industrieländern werden die sozialen Unterschiede drastischer. In der Mitte der Einkommenspyramide gibt es immer noch finanzielle Spielräume, an ihrer Spitze nimmt das Einkommen sogar noch zu. Am unteren Ende jedoch wächst die Zahl der Bedürftigen und mit ihr die erzwungene Suffizienz der Armen. Hinzu kommt eine psychologische Barriere: Wo Angst vor Verarmung herrscht, wird die Redlichkeit der Botschaft vom Maßhalten in Zweifel gezogen. Mit der Armut zurechtkommen – das will nicht als Suffizienz überhöht werden. Suffizienz gilt dann leicht als verordnete Bescheidenheit.

Es gibt aber nicht nur um psychologische Hemmnisse. Wichtiger noch sind die systemischen Bedingungen der gegenwärtigen Wirtschaftsform. Sie wird sich erheblichen Veränderungen stellen müssen. Das kann jetzt nicht mehr als ein Hinweis sein. Wenn Suffizienz, wenn Angemessenheit sich ausbreitet, wenn also Güterwohlstand, Zeitwohlstand und Raumwohlstand in eine ausgeglichene Beziehung gebracht werden, wenn materielle Befriedigungen weniger wichtig werden als die immateriellen Gewinne, wenn also deutlich weniger an Gütern verkauft und weniger an ressourcenintensiven Dienstleistungen nachgefragt wird, dann hat das erhebliche Folgen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen würde das die Arbeitslosigkeit gravierend verstärken, möglicherweise in einem Ausmaß, das den sozialen Frieden zerrüttet. Wenn das nicht geschehen soll, muss die Arbeit anders gedacht und anders verteilt werden. Auch die heutige Form der Erwerbsarbeit muss suffizient werden. Damit alle Arbeit haben, werden sehr viele nur noch weniger arbeiten können als heute. Das wiederum wird die freie Zeit erhöhen und mehr Eigenarbeit ermöglichen. Wenn man beides zusammen sieht, die verkürzte Erwerbsarbeit und die ausgebaute Eigenarbeit, dann mag das Realeinkommen ein wenig geringer ausfallen, aber es muss nicht wesentlich absinken. Vielleicht werden sich damit auch die Staatseinnahmen verringern (obgleich ein Großteil des Arbeitslosengeldes eingespart wird). Insgesamt ergibt das einschneidende Veränderungen, die in vieler Hinsicht Gewinn versprechen, aber zunächst verunsichern, auch Angst machen. So ist es kein Wunder, dass in den gegenwärtigen Reformen von diesen Konsequenzen fast nicht gesprochen wird.

Nur: Es nützt nichts, wenn wir unsere kurzfristigen Probleme mit Maßnahmen mildern, die unsere längerfristigen Probleme vergrößern, und uns dann umso mehr schädigen. An der Gesundheits- und Rentenreform lässt sich erkennen, in welche Schwierigkeiten eine Gesellschaft gerät, die notwendige Änderungen verdrängt, vertagt, halbherzig oder unsolidarisch behandelt.

Das gegenwärtige, auf Ressourcenverzehr und Klimaschädigung basierende Wirtschaftswachstum wird nicht beizubehalten sein. Seine Gewinne sind ohnehin ungleich verteilt. Es ist ja vor allem das Recht des Kapitals, auf Kosten der Arbeit und der Natur unbegrenzt zu wachsen. Das kann nicht gelingen. Die Defensivkosten, mit denen wir die durch die Güterproduktion in der Natur angerichteten Schäden reparieren, werden nicht bezahlbar bleiben. Die Münchner Rück hat gerade noch einmal auf den steilen Anstieg der Naturkatastrophen in den letzten Jahren und auf ihre Kosten hingewiesen (den Tsunami nicht eingeschlossen). Wie in dieser begrenzten Welt der Übergang zu einer Wirtschaft der Selbstbegrenzung gelingen kann, ist die entscheidende Gesellschaftsfrage der kommenden Jahrzehnte.

Die gegenwärtige Situation hält freilich nicht nur Erschwerungen bereit. Auch der Gedanke des Genug, des Maßes findet in den Erfahrungen nicht weniger Menschen einen Widerhall. Erkennbar ist ein Wunsch nach bewusstem Leben, nach Einfachheit, nach Entschleunigung. Vielen Menschen ist inzwischen klar oder wird klar, dass sie auf absehbare Zeit einen weiteren Anstieg an Güterwohlstand nicht zu erwarten haben. Der Alltag schafft vielen inzwischen Probleme, die zu einer Überforderung werden, von der sie entlastet sein möchten. Auf solche Zusammenhänge werden Menschen ansprechbar. Und die Ahnung wächst, dass Zufriedenheit mit weniger Gütern und Geld erreichbar ist. Erkennbar wird auch, wie sehr unser Wohl und Wehe in diesem Land von globalen Entwicklungen beeinflusst wird, welche Risiken aus den Klimaveränderungen entstehen; wie sehr unsere Sicherheit davon abhängt, dass in anderen Erdteilen Menschen ausreichende und von ihnen akzeptierte Lebensmöglichkeiten haben. Auch darauf sind mehr Menschen ansprechbar als noch vor einigen Jahren – selbst, wenn sie noch immer die Minderheit bilden. Viel wird von den aktiven Kräften in der Zivilgesellschaft abhängen, ob diese Entwicklungen Raum gewinnen. Ich verberge nicht, dass an dieser teils organisierten, teils spontanen Bewegung viel von meinen Hoffnungen hängt. Und auch diese Tagung ist solch ein Hoffnungszeichen.

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