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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Klimawandel: Ist das 2 Grad-Ziel realistisch?

Bereits seit dem Ende der 1980er Jahre gibt es ausreichend Belege dafür, dass sich ein durch menschliche Aktivitäten verursachter Klimawandel vollzog, der mehr und mehr zu einer Bedrohung anwuchs. Seit dem Beginn der Industrialisierung ist die Temperatur etwa um ein Grad gestiegen, mit deutlich spürbaren Folgen vor allem in vielen afrikanischen Ländern.

Die Kyoto-Verpflichtungen
Aufgrund der Klimaveränderungen, wurde im Jahr 1992 auf der legendären Konferenz von Rio die Klimarahmenkonvention verabschiedet, die im Kyotoprotokoll 1997 konkretisiert wurde. Vereinbart wurde eine Reduktion der Emissionen auf ein Niveau, das die Erderwärmung auf 2° Celsius begrenzt.  Allerdings unterzeichneten viele Länder mit hohem CO²-Verbrauch weder das Kyotoprotokoll noch das Verlängerungsprotokoll, das die Emissionsbegrenzungen für den Zeitraum bis 2010-2020 festschrieb. Dazu gehörten die USA und China,  Russland, Japan und Neuseeland. Insgesamt lag der Anteil der unterzeichnenden Staaten am weltweiten Verbrauch dadurch nur bei etwa 15%.

Rückgang in Europa – Anstieg weltweit
Laut Berechnungen der Europäischen Umweltagentur sind die Gesamtemissionen in den damals 15 EU-Ländern im Zeitraum 2008-2012 um durchschnittlich 12,2 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zurückgegangen. Weltweit stieg der globale Treibhausgasausstoß jedoch bis 2010 um rund 29 Prozent gegenüber 1990 – vor allem infolge des rasanten Verbrauchs in China (Steigerung um 150 Prozent von 1990 bis 2008) und den USA (Anstieg um 27 Prozent) sowie anderen Schwellenländern.   

Klimasünder China?
Da China bisher internationale Klimaabkommen nicht ratizifizierte und die Emissionen mit dem starken Wirtschaftswachstum rasant stiegen, herrscht das Bild vom Klimasünder Chinas vor. Das Land hat aber in den vergangenen massiv auf den Ausbau Eneuerbarer Energien gesetzt (auch aufgrund der Proteste in der Bevölkerung). Auch ging in 2014 und in der ersten Hälfte 2015 der Kohleverbrauch bereits zurück. Eine Studie von der London School of Economics aus 2015 zeigte nun, dass China seinen Scheitelpunkt der Emissionen statt – wie bisher prognostiziert - 2030, wahrscheinlich schon 2025-2020 erreicht haben wird.

Neue günstige Vorzeichen
„Noch nie waren die Vorzeichen für einen Ausstieg aus den fossilen Energien so gut“, schrieb Christoph Bals von Germanwatch 2015. Durch die günstige Massenproduktion überwiegend in China und den Ausbau in Deutschland sind Erneuerbare Energien wettbewerbsfähig geworden. Auch  in Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten kann Sonnenstrom mittlerweile günstiger erzeugt werden als Strom aus fossiler oder nuklearer Energie (vgl.  Bals 2015). Viele Beobachter rechnen mit weiter sinkenden Kosten. Gleichzeitig stehen die etablierten Energiekonzerne zunehmend unter Druck: So sank der Börsenwert der fünf größten Stromkonzerne, die etwa 60 Prozent der Energie erzeugen, um 37 Prozent. (vlg. Unken 2015). „Klimaschutz-Initiativen wie Carbon Tracker wollen Finanzmärkte und Unternehmen für das Thema Klimaschutz sensibilisieren und trommeln zurzeit immens für das Thema. Ihre Botschaft: Auf Kohle zu setzen, gefährdet nicht nur das Klima, sondern macht auch ökonomisch keinen Sinn mehr“.

Positive Resonanz: G7-Gipfel Juni 2015
Der jüngste G7-Gipfel vom Juni 2015 führte zu positiver Resonanz von Umweltschutzorganisationen und Experten. Dort bekannten sich die teilnehmenden Länder zum 2-Grad-Ziel einerseits, zur Energiewende und Dekabonisierung – zum Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung durch Kohle, Öl und Gas bis zum Jahr 2100 andererseits. Alle Länder einschließlich der USA und Kanada hatten die Einsparpläne bereits an die Vereinten Nationen übermittelt – bis auf Japan. Das Land tut sich schwer, verbindliche Ziele festzulegen, ist doch der Export von Kohletechnologien ein wichtiger Wirtschaftszweig  und auch der eigene Energiebedarf wird zu 90% aus fossilen Energien gedeckt.

Klimagipfel Paris Ende 2015
Beim Klimagipfel in Paris Ende 2015 sollen erstmalig mehr als 190 Staaten einen Weltklimavertrag, entsprechend der Vereinbarungen des G7-Gipfels unterschreiben. Demnach sollen bis 2050  die Emissionen im Vergleich zu 2010 um 40 bis 70 Prozent reduziert werden, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen.  Ob das gelingt, ist angesichts der Erfahrungen aus den vergangenen Konferenzen mehr als ungewiss.

2 Grad realistisch?
Die Entwicklung in China hält die Möglichkeit offen, dass die globalen Emissionen auf einen Weg gebracht werden könnten, die mit dem Ziel einer Erderwärmung bis 2° C vereinbar sind, so die  London School of Economicx 2015. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird hänge aber auch davon ab, dass der Rückgang nach dem Erreichen des Emissionshöhepunkts schnell vorangeht und nicht stagniert. Andere Experten sehen das skeptischer: Rechne man weiterhin mit drei Grad, habe die Menschheit dem Klimarat zufolge noch gut 1000 Milliarden Tonnen CO2 frei. 2014 pusteten alle Länder zusammen 35 Milliarden Tonnen in die Luft. Wenn noch 25 Jahre diese Menge ausgestoßen wird, wären die zwei Grad nicht mehr zu verhindern, selbst wenn der Treibhausgasausstoß danach plötzlich auf null sinken sollte (vgl. Bojanowski 2015). Das vereinbarte „Zwei-Grad-Ziel“ erscheint angesichts solcher Zielen kaum mehr zu schaffen.

Ärmsten Länder fordern 1,5 Grad-Grenze
Die ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder reicht aber selbst das 2-Grad-Ziel nicht aus. Sie fordern aber immer eindringlicher einen Wechsel der internationalen Klimapolitik vom Zwei-Grad-Ziel zum 1,5-Grad-Ziel. "Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse wissen wir, dass die Bevölkerung von fast 100 Ländern akut bedroht ist, wenn wir auf zwei Grad zusteuern", erklärt Giza Gaspar-Martins, der Vorsitzende der Gruppe der Least Developed Countries (LDC), der am wenigsten entwickelten Staaten. Viele Experten halten das für zu engagiert, angesichts der dann notwendigen Konsumeinschränkungen im Norden.

 

Zum Weiterlesen:

Uken, Marlies 2015: ENERGIEWENDE: Wie man 100 Milliarden Euro verliert. Der Boom der Erneuerbaren setzt die etablierten Energiekonzerne in Europa unter Druck. Mangels einer echten Zukunftsstrategie verlieren die Investoren das Vertrauen, Die Zeit, 05.06.2015,
http://www.zeit.de

Axel Bojanowski: Klimabeschluss des G7-Gipfels: Warum das Zwei-Grad-Ziel Humbug ist, Spiegel-Online/Wissenschaft, 10.06.2015
http://www.spiegel.de

Christoph Bals 2015: Mut zur Kohledämmung: Noch nie standen die Chancen für den Ausstieg aus der Kohle so gut wie heute. Der G-7-Gipfel könnte wichtige Weichen für eine globale Energiewende stellen. EIN GASTBEITRAG in Zeit.de/Wirtschaft vom 04.06.2015
http://www.zeit.de

London School of Economics 2015:  China’s “new normal”: structural change, better growth, and peak emissions, Fergus Green and Nicholas Stern, Policy Brief June 2015
http://www.lse.ac.uk/

Schultz, Stefan 2015: G7-Gipfel: Die Klima-Mogelei von Elmau. In: Spiegel-Online/Wirtschaft, 09.06.2015
http://www.spiegel.de/

Germanwatch 2015: Hintergrund: G7 setzt Ende des fossilen Zeitalters auf die globale Agenda, Hintergrundpapier zur Pressemitteilung vom 08.06.2015
https://germanwatch.org/

Uken, MARLIES 2015: Alle warten auf Japan: Beim Klimaschutz ist Japan im Kreis der G 7 der Hardliner: Das Land bremse die Ambitionen der Bundesregierung aus, klagen Klimaschützer. Es fehle eine Energiestrategie. In: Die Zeit vom 08.06.2015
http://www.zeit.de

Götze, Susanne 2015: "Ein 1,5-Grad-Ziel ist im Interesse aller", 10. 06.2015
http://klimadiplomatie.de/

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Weiterentwicklung des internationalen Klimaschutzes – auf dem Weg zu einem Klimaabkommen für das 21. Jahrhundert, Stand 16.05.2013
http://www.bmub.bund.de/

Dambeck, Holger 2009: Klimaschutz-Konzept: Künstliche Bäume sollen CO2 aus der Luft filtern. In: Spiegel-Online Wissenschaft, 31.08.2009
http://www.spiegel.de/

Klimawandel und seine Auswirkungen in Afrika,
http://www.gesichter-afrikas.de

Letzte Änderung: 25.06.2015

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